.... ein Meilenstein aus Berlin.

Des einen Freud, des anderen Leid...

Die zwei freien Tage in der Woche verleiten einen ja oft dazu, so allerhand Bl?dsinn zu treiben. Ick f?r meinen Teil konnte mal wieder nicht der eigenen - leicht debilen - Verlockung widerstehen etwas f?r meinen zweiten Bildungsweg zu tun, und fand mich dementsprechend gestern und vorgestern in einem Seminar zum Thema Psychoanalyse wieder.

Selbsttherapie f?r Fortgeschritten hatte ich erhofft. Aber so spannend wie ich es erwartet hatte, war es dann wiederum auch nicht. Der Grund daf?r liegt auf der Hand: Die meisten Teilnehmer des Seminars wollten eben nicht erfahren, was und vorallem warum in ihrem Dachst?bchen so vieles schief l?uft, sondern wie die Psychoanalyse zu missbrauchen w?re um doch noch endlich die soziale Revolution durchf?hren zu k?nnen.

Als w?rde es, wie bei Olympia nur darum gehen dabei zu sein, sa?en die Teilnehmer des Seminars, fein s?uberlich in die unterschiedlichen ideologischen Landsmannschaften sortiert, ?berall im Raum verteilt herum. Medaillen gab es zwar keine, aber daf?r wurde im Vorfeld des Seminars mit einer Exklusivit?t geworben, so dass gleich mal die H?lfte derer die angemeldet waren, fern blieb. Das Ticket hatten sie ja erfolgreich gel?st, wieso dann noch der Vortragenden lauschen...?

Die Dopingkontrollen blieben zwar gl?cklicherweise auch aus, aber daf?r wurden am zweiten Tag den Usern anderer Drogen die Genehmigung entzogen im Seminarraum diese zu vernichten. Der stumme Zwang nach mehr Konformit?t kam mir sofort in den Sinn, aber dann merkte ich, dass das Problem wohl noch tiefer lag: Einige aus der veranstaltenden Gruppe bef?rchteten wohl Kettenreaktionen...

In ihrem Kopf zeichnete sich anscheint eine Situation ab, die ihrer Meinung nach beim besten Willen nicht zum Erkenntnisgewinn beitragen kann. An allen Ecken und Enden werden Drogen genommen und die daraus resultierenden Zust?nde ausgelebt. Ein Grauen nur f?r Drogenabh?ngige die es sich nicht eingestehen wollen, dass Drogen zu nehmen, eine der M?glichkeiten ist, ein halbwegs richtiges Leben im Falschen zu f?hren.

Und ?berhaupt: Noch tr?ger h?tte es eh nicht werden k?nnen. Wenn die Teilnehmer nicht wie Goldfische in einem Stummfilm monologisierten, dann schrieben sie fleissig in ihre Notizhefte, auf dass sie nur ja nicht auf die wahnwitzige Idee kommen, dass Seminar sei mehr als nur die ?bliche Unischei?e...

Etwas Aufregung kam nur selten auf: Einmal gab es zum Beispiel etwas intellektuellen Tumult, als aus der liberal angehauchten Ecke der Einwand gegen die Freunde der Revolution kam, dass wer Freud genau gelesen hatte, schon vor der gr??ten Katastrophe der Menschheitsgeschichte gewusst haben k?nnte, dass es das revolution?re Subjekt nicht gibt und das die positive Aufhebung des Kapitalismus nicht notwendig die einzige M?glichkeit in der Geschichte der Menschheit sein musste. Ansonsten fielen noch zwei Emoboys durch ihr Groupieverhalten gegen?ber der Wiener Referentin ohne Akzent auf, und es bleibt einzig nur noch von der in mir selbst diagnostizierten Gewissensw?ste zu berichten...

Epilog*

Doch bevor ich damit anfange m?chte ich noch kurz eine Frage in die Runde stellen, n?mlich ob der Terminus 'Widerstand' ab sofort im Sinne Freuds anzuwenden sei, und damit auch jeglicher 'Widerstand', so wie er fr?her von mir und vielen anderen definiert wurde, pass? ist? Oder ob es nun ab sofort den Widerstand im ?u?eren und den im Inneren gibt?

Aber zur?ck zum Thema: Auf der gemeinsamen R?ckfahrt nach dem ersten Teil des Seminars wurde von einem Mitreisenden versucht mir ein schlechtes Gewissen zu bereiten. Doch da konnte ich die versammelte Crew nur entt?uschen... Die sichergeglaubte Methodik des Gegen?bers verdurstete in meiner Gewissensw?ste j?mmerlich.

Ich entwarf ein Bild, damit der 'Brother in Crime' die Aussichtslosigkeit seines Unterfangens einsieht: Man stelle sich die W?ste in New Mexico vor, erz?hlte ich der versammelten Mannschaft, und der Blick des imagin?ren Auges wandert in Richtung S?den. ?berall nur Sand und Gestr?pp. Doch auf einmal erhebt sich eine riesige Mauer, es sind Teile der Mauer die Mexico von New Mexico trennt. Doch im Gegensatz zum Original entdeckt das Auge sofort ein ?berdimensionales Loch in der Mauer. Man kann es nicht ?bersehen...

An diesem Loch stehe ich seit einigen Monaten nun schon Wache. Aber nicht, wie jetzt einigen schon denken werden, um Fl?chtlinge davon abzuhalten zu versuchen sich ein besseres Leben aufzubauen. Nein, ganz bestimmt nicht: Ich untersuche genau an dieser Sollbruchstelle derzeit die Dialektik von Gerechtigkeit und Freiheit.

Und was soll ich sagen? Es ist verbl?ffend sch?n aus der Quadratur des Kreises herauszutreten um endlich das Neuland der Freiheit zu betreten. Ungeahnte Weite empf?ngt mich ebenso, wie das Wissen um die Verdoppelung der bisher angenommenen Tiefe menschlicher Regungen. Aus diesem Background heraus nehme ich mir auch zur Zeit die Freiheit, mein linkssozialisiertes Gewissen im n?chstbesten T?mpel zu entsorgen....

Ein charakterloser Charakter: Peeeeeee*

19.2.06 17:20

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Hamburg City (20.2.06 03:48)
"dass Drogen zu nehmen, eine der Möglichkeiten ist, ein halbwegs richtiges Leben im Falschen zu führen."

Bitte konkretisieren...


Partisan* / Website (20.2.06 17:08)
Okay, 'richtig' ist wahrscheinlich etwas zu hoch gegriffen: Ersetze doch 'richtig' stattdessen mit 'erträglich', dann kommt es dem Gegenstand, auf den ich zielte, näher... Peeeeee*

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