.... ein Meilenstein aus Berlin.

2005 – Kein Rückblick.

Jahresr?ckblicke gehen selten ?ber das Aufz?hlen von Katastrophen, welche gerne vom Feuilleton auch als ?H?hen und Tiefen? verbr?mt werden, hinaus. Warum? Diese unz?hligen Kleinstkatastrophen versperren den Blick f?r die einzig wahre Katastrophe, dem eigenen besch?digtem Leben.

Und da es extrem schmerzhaft f?r das Subjekt w?re, sich jedes Silvester aufs Neue damit abzufinden, dass es auch in diesem Jahr keinen Ausweg aus dem Dilemma geben wird, muss so getan werden, als k?nnte man wenigstens die kleineren ?bel abstellen. So wird dann auch immer regelm??ig zu Silvester der Schwur abgelegt im neuen Jahr keine Zigaretten mehr zu rauchen, sich mehr Zeit f?r die Kinder zu nehmen oder nicht mehr die Nachbarsfrau zu v?geln, weil sonst die eigene den Abflug macht.

Da diese hilflosen Versuche, wie jedes Jahr, sp?testens in der zweiten Jahresh?lfte scheitern, m?chte ich mit zusammen gew?rfelten Zitaten aus dem Buch ?Minima Moralia? von Theodor W. Adorno dem geneigten Leser schon jetzt ein wenig beim Scheitern behilflich sein.


* Vorw?rts wie r?ckw?rts?

?Mit Schrecken mu? man einsehen, dass man oft fr?her schon, wenn man den Eltern opponierte, weil sie die Welt vertraten, insgeheim das Sprachrohr der schlechteren Welt gegen die schlechte war. Unpolitische Ausbruchsversuche aus der b?rgerlichen Familie f?hren in deren Verstrickung meist nur um so tiefer hinein, und manchmal will es scheinen, als w?re die unselige Keimzelle der Gesellschaft, die Familie, zugleich auch die hegende Keimzelle des kompromisslosen Willens zur anderen. Das Ende der Familie l?hmt die Gegenkr?fte. Die heraufziehende kollektivistische Ordnung ist der Hohn auf die ohne Klasse: im B?rger liquidiert sie zugleich die Utopie, die einmal von der Liebe der Mutter zehrte.?

?Die Ehe, deren schm?hliche Parodie fortlebt in einer Zeit, die dem Menschenrecht der Ehe den Boden entzogen hat, dient heute meist dem Trick der Selbsterhaltung: dass einer der beiden Verschworenen jeweils die Verantwortung f?r alles ?ble, das er begeht, nach au?en dem anderen zuschiebt, w?hrend sie in Wahrheit tr?b und sumpfig zusammen existieren. Eine anst?ndige Ehe w?re erst eine, in der beide ihr eigenes unabh?ngiges Leben f?r sich haben, ohne die Fusion, die von der ?konomisch erzwungenen Interessensgemeinschaft herr?hrt, daf?r aber aus Freiheit die wechselseitige Verantwortung f?reinander auf sich n?hmen. Die Ehe als Interessensgemeinschaft bedeutet unweigerlich die Erniedrigung der Interessenten, und es ist das Perfide der Welteinrichtung, dass keiner, w??te er auch darum, solcher Erniedrigung sich entziehen kann.?

"Sobald Menschen, auch gutartige, freundliche und gebildete, sich scheiden lassen, pflegt eine Staubwolke aufzusteigen, die alles ?berzieht und verf?rbt, womit sie in Ber?hrung kommt. Es ist, als h?tte die Sph?re der Intimit?t, das unwachsame Vertrauen des gemeinsamen Lebens sich in einen Giftstoff verwandelt, wenn die Beziehungen zerbrochen sind, in denen sie beruhte. Das Intime zwischen Menschen ist Nachsicht, Duldung, Zuflucht f?r Eigenheiten. Wird es hervorgezerrt, so kommt von selber das Moment der Schw?che daran zum Vorschein, und bei der Scheidung ist eine solche Wendung nach au?en unvermeidlich. Sie bem?chtigt sich des Inventars der Vertrautheit. Dinge, die einmal Zeichen liebender Sorge, Bilder von Vers?hnung gewesen sind, machen sich pl?tzlich als Werte selbstst?ndig und zeigen ihre b?se kalte verderbliche Seite. Professoren brechen nach der Trennung in die Wohnung ihrer Frau ein, um Gegenst?nde aus dem Schreibtisch zu entwenden, und wohldotierte Damen denunzieren ihre M?nner wegen Steuerhinterziehung."

"Die praktischen Ordnungen des Lebens, die sich geben, als k?men sie den Menschen zugute, lassen in der Profitwirtschaft das Menschliche verk?mmern, und je mehr sie sich ausbreiten, um so mehr schneiden sie alles Zarte ab. Denn Zartheit zwischen den Menschen ist nichts anderes als das Bewusstsein von der M?glichkeit zweckfreier Beziehungen, das noch die Zweckverhafteten tr?stlich streift; Erbteil alter Privilegien, das den privilegienlosen Stand verspricht. Die Abschaffung des Privilegs durch die b?rgerliche ratio schafft am Ende auch dies Versprechen ab."

"Menschen, die zusammengeh?ren, sollten sich weder ihre materiellen Interessen verschweigen, noch auf sie nivellieren, sondern sie reflektiert in ihr Verh?ltnis aufnehmen und damit ?ber sie hinausgehen."

"Die Kunst best?nde darin, in Evidenz zu halten und auszudr?cken, da? das Privateigentum einem nicht mehr geh?rt, in dem Sinn, da? die F?lle der Konsumg?ter potentiell so gro? geworden ist, da? kein Individuum mehr das Recht hat, an das Prinzip ihrer Beschr?nkung sich zu klammern; da? man aber dennoch Eigentum haben mu?, wenn man nicht in jene Abh?ngigkeit und Not geraten will, die dem blinden Fortbestand des Besitzverh?ltnisses zugute kommt. Aber die Thesis dieser Paradoxie f?hrt zur Destruktion, einer lieblosen Nichtachtung f?r die Dinge, die notwendig auch gegen die Menschen sich kehrt, und die Antithesis ist schon in dem Augenblick, in dem man sie ausspricht, eine Ideologie f?r die, welche mit schlechtem Gewissen das Ihre behalten wollen. Es gibt kein richtiges Leben im falschen."

Peeeeeeee*

5.1.06 17:06

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


gorki / Website (6.1.06 15:18)
Schade dass es es Opfern wie dir nicht verboten ist Adorno zu zitieren!


Partisan supporter from the no (10.1.06 23:30)
Schön das wir in einer Welt leben in der du nichts zu melden hast.

Keep on rockin Partisan!!!

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