.... ein Meilenstein aus Berlin.

SCHNIPSEL DER LETZTEN WOCHE

Dass Krankenhäuser keine gute Adresse für den Sommer sind, erstrecht falls dann doch mal die Sonne scheinen sollte, muss ich hier bestimmt nicht lange ausführen. Noch beschissener als selbst der Patient zu sein, dürfte doch noch die Variante sein, dass ein geliebter Mensch die Matratzen im Krankenhaus hüten muss…
Die im Krankenhaus umherlaufenden Weißkittel, eine besonders entmenschlichte Form von Leben auf diesem Planeten, geben mir immer das Gefühl, dass sie das zu lösende Problem statt die Lösung der Probleme sind. Ihre Kompetenzen reichen zwar immer dafür aus mit Begriffen um sich zu werfen, mit denen ein ‚normaler’ Mensch nichts anfangen kann, aber ob sie wirklich einen kranken Menschen von seinem ‚Leiden’ befreien können, steht trotz ihrer Sprachgewalt in den Sternen geschrieben.

So saß ich Anfang der Woche stundenlang in einem weißen Gang, abwechselnd auch in einem, natürlich in weiß gehaltenem Zimmer, und durften mich in meinen Vorurteilen bestätigen lassen. Abends war dann nicht mehr viel zu machen. Hass im Kopf, unendliche Schwere in den Beinen und dann noch diese bepisste Ungewissheit. Doch zum Glück gibbet es ja Freunde… Nach einigen Tagen Delirium, dem Torkeln zwischen Krankenhaus und Wohnung, rissen sie mich einfach aus dem Selbstmitleid heraus… DANKE!

So saß ich am Donnerstag in einem großen Auto und fuhr in die feindlichste Zone von Berlin, nämlich dorthin wo Antiimperialisten noch etwas zu sagen haben, nach Downtown Kreuzberg zur Veranstaltung der Redaktion Bahamas. Es ging um die Anschläge in London, es roch nach Zigaretten und es fehlte der Sauerstoff. Doch dafür fehlte es nicht an interessanten Inputs von den beiden Referenten. Vor allem Uli Krug gab auf dem Podium eine beeindrucken Vorstellung ab. Inhaltlich sehr interessant schaffte er es den Saal vor dem Einschlafen zu bewahren… Krug warf u.a. ein, dass es doch mal zu bedenken sei, ob nicht in Deutschland die 68er damals einfach nur „die jungen Nazis waren, die den alten Nazis, die nicht mehr Nazis sein durften, auf die Pelle rückten“ um in einer konformistische Revolte am Ende dort zu landen, wo sie jetzt sind: Entweder wie Horst Mahler im nationalen Widerstand oder wie Otto Schily und Konsorten auf der Regierungsbank.

Am Freitagmorgen brachte mich eine Mischung aus Musik und Papier wieder auf die Beine: Prinz Porno aus den Lautsprechern und die Jungle World im Briefkasten, die Teenage Mutant Horror Show traf auf Big Beatland. Die Kommunistische Klingelton Kakophonie löste einen Lachflash aus, während die Beats von Pee mich zum Kopfnicken animierten. Ich – der, der zu Porno den Wackeldackel macht - habe dann auch noch den besten Spruch kurz vorm Sex gelesen im Beatland-Comic: „Und jetzt wirst du mal so richtig kommunistisch durchgedüdelt…“ Wow, besser als Stereo Total! Bin schon gespannt, wie es wohl in nächste Woche weiter geht.

Zum Schluss noch ein Filmtipp: nicht der neue Woody Allen Film, obwohl Melinda & Melinda echt Klasse ist, sondern ein etwas älterer von ihm sei Euch hier dringend ans Herz gelegt: „Harry außer sich“. Vorsicht: schaut Euch den Film nicht als Pärchen an! Es könnte sein, dass Mensch an den falschen Stellen lacht, und sich dadurch seine(n) Freund(in) zu(r/m) Feind(in) macht…

Und was war sonst noch? Keine Ahnung: Den neuen Berliner Verfassungsschutzbericht schon gelesen? Euer Haustier passt nicht mehr zu dem aktuellen Lebensentwurf? Veterinärmedizinische Haustierentsorgung… Euer Partisan™

1.8.05 13:13

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