.... ein Meilenstein aus Berlin.

Woanders gelesen...

Sharia in Westfalen.

Perser und Juden.

Vorwand Israel.

Das Prinzip Sharon lebt.

Gang der Barbaren.

Brothers in Crime.

Szeneparty in der S-Bahn

Peeeeeeeee*

5 Kommentare 23.2.06 16:56, kommentieren

Best of Partisan...

Nun quäle ich mich seit über einem Jahr mit einem eigenen Blog durch die Welt und finde, es ist an der Zeit für eine gebündelte private Horrorshow. Die Resonanz darauf, dass sag ich Euch gleich am Anfang, geht mir am Arsch vorbei...

Von mir aus könnt ihr mich loben, mit Scheiße vollgöbeln oder auch einfach nur Ignorieren - es ist mir egal. Mir genügt das Wissen darum, dass es in einem Jahr über 20.000 Besucher auf meinem Blog auf rund 44.000 Visits gebracht haben...



*Peeee Productions proudly presents: Best of Partisan...



Februar 2005

Eine Mauer drum und Tschüss.

März 2005

Der Aufstand marschiert...

April 2005

Krümelmonster wird Vegetarier.

Mai 2005

Nazibraut will auch ein Opfer sein.

Juni 2005

Aufschrei nach feindlicher Übernahme.

Juli 2005

Neuer spezialdemokratischer Einheitsbrei.

August 2005

Schnipsel der letzten Woche.

September 2005

Falsche Fragen.

Oktober 2005

Dumm und Dümmer...

November 2005

Du bist Antideutschland? Ich glaub ja wohl nicht...

Dezember 2005

MUT auf Abwegen.

Januar 2006

2005 - Kein Rückblick.

Februar 2006

Ursache und Wirkung!

7 Kommentare 19.2.06 20:07, kommentieren

Des einen Freud, des anderen Leid...

Die zwei freien Tage in der Woche verleiten einen ja oft dazu, so allerhand Blödsinn zu treiben. Ick für meinen Teil konnte mal wieder nicht der eigenen - leicht debilen - Verlockung widerstehen etwas für meinen zweiten Bildungsweg zu tun, und fand mich dementsprechend gestern und vorgestern in einem Seminar zum Thema Psychoanalyse wieder.

Selbsttherapie für Fortgeschritten hatte ich erhofft. Aber so spannend wie ich es erwartet hatte, war es dann wiederum auch nicht. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die meisten Teilnehmer des Seminars wollten eben nicht erfahren, was und vorallem warum in ihrem Dachstübchen so vieles schief läuft, sondern wie die Psychoanalyse zu missbrauchen wäre um doch noch endlich die soziale Revolution durchführen zu können.

Als würde es, wie bei Olympia nur darum gehen dabei zu sein, saßen die Teilnehmer des Seminars, fein säuberlich in die unterschiedlichen ideologischen Landsmannschaften sortiert, überall im Raum verteilt herum. Medaillen gab es zwar keine, aber dafür wurde im Vorfeld des Seminars mit einer Exklusivität geworben, so dass gleich mal die Hälfte derer die angemeldet waren, fern blieb. Das Ticket hatten sie ja erfolgreich gelöst, wieso dann noch der Vortragenden lauschen...?

Die Dopingkontrollen blieben zwar glücklicherweise auch aus, aber dafür wurden am zweiten Tag den Usern anderer Drogen die Genehmigung entzogen im Seminarraum diese zu vernichten. Der stumme Zwang nach mehr Konformität kam mir sofort in den Sinn, aber dann merkte ich, dass das Problem wohl noch tiefer lag: Einige aus der veranstaltenden Gruppe befürchteten wohl Kettenreaktionen...

In ihrem Kopf zeichnete sich anscheint eine Situation ab, die ihrer Meinung nach beim besten Willen nicht zum Erkenntnisgewinn beitragen kann. An allen Ecken und Enden werden Drogen genommen und die daraus resultierenden Zustände ausgelebt. Ein Grauen nur für Drogenabhängige die es sich nicht eingestehen wollen, dass Drogen zu nehmen, eine der Möglichkeiten ist, ein halbwegs richtiges Leben im Falschen zu führen.

Und überhaupt: Noch träger hätte es eh nicht werden können. Wenn die Teilnehmer nicht wie Goldfische in einem Stummfilm monologisierten, dann schrieben sie fleissig in ihre Notizhefte, auf dass sie nur ja nicht auf die wahnwitzige Idee kommen, dass Seminar sei mehr als nur die übliche Unischeiße...

Etwas Aufregung kam nur selten auf: Einmal gab es zum Beispiel etwas intellektuellen Tumult, als aus der liberal angehauchten Ecke der Einwand gegen die Freunde der Revolution kam, dass wer Freud genau gelesen hatte, schon vor der größten Katastrophe der Menschheitsgeschichte gewusst haben könnte, dass es das revolutionäre Subjekt nicht gibt und das die positive Aufhebung des Kapitalismus nicht notwendig die einzige Möglichkeit in der Geschichte der Menschheit sein musste. Ansonsten fielen noch zwei Emoboys durch ihr Groupieverhalten gegenüber der Wiener Referentin ohne Akzent auf, und es bleibt einzig nur noch von der in mir selbst diagnostizierten Gewissenswüste zu berichten...

Epilog*

Doch bevor ich damit anfange möchte ich noch kurz eine Frage in die Runde stellen, nämlich ob der Terminus 'Widerstand' ab sofort im Sinne Freuds anzuwenden sei, und damit auch jeglicher 'Widerstand', so wie er früher von mir und vielen anderen definiert wurde, passè ist? Oder ob es nun ab sofort den Widerstand im Äußeren und den im Inneren gibt?

Aber zurück zum Thema: Auf der gemeinsamen Rückfahrt nach dem ersten Teil des Seminars wurde von einem Mitreisenden versucht mir ein schlechtes Gewissen zu bereiten. Doch da konnte ich die versammelte Crew nur enttäuschen... Die sichergeglaubte Methodik des Gegenübers verdurstete in meiner Gewissenswüste jämmerlich.

Ich entwarf ein Bild, damit der 'Brother in Crime' die Aussichtslosigkeit seines Unterfangens einsieht: Man stelle sich die Wüste in New Mexico vor, erzählte ich der versammelten Mannschaft, und der Blick des imaginären Auges wandert in Richtung Süden. Überall nur Sand und Gestrüpp. Doch auf einmal erhebt sich eine riesige Mauer, es sind Teile der Mauer die Mexico von New Mexico trennt. Doch im Gegensatz zum Original entdeckt das Auge sofort ein überdimensionales Loch in der Mauer. Man kann es nicht übersehen...

An diesem Loch stehe ich seit einigen Monaten nun schon Wache. Aber nicht, wie jetzt einigen schon denken werden, um Flüchtlinge davon abzuhalten zu versuchen sich ein besseres Leben aufzubauen. Nein, ganz bestimmt nicht: Ich untersuche genau an dieser Sollbruchstelle derzeit die Dialektik von Gerechtigkeit und Freiheit.

Und was soll ich sagen? Es ist verblüffend schön aus der Quadratur des Kreises herauszutreten um endlich das Neuland der Freiheit zu betreten. Ungeahnte Weite empfängt mich ebenso, wie das Wissen um die Verdoppelung der bisher angenommenen Tiefe menschlicher Regungen. Aus diesem Background heraus nehme ich mir auch zur Zeit die Freiheit, mein linkssozialisiertes Gewissen im nächstbesten Tümpel zu entsorgen....

Ein charakterloser Charakter: Peeeeeee*

3 Kommentare 19.2.06 17:20, kommentieren

Des Führersbräute in Pakistan

Folgt einfach dem Link. Peeeee*

3 Kommentare 19.2.06 18:12, kommentieren

Watzals Wende, Watzals Ende?

Die groteske Geschichte, eines Journalisten der auszog dem Juden, ähm Verzeihung, dem Israeli endlich mal Manieren bei zu bringen, ist an einem interessanten Punkt angekommen. Vielleicht sogar einem Wendepunkt...

Der Watzal, Ludwig widerruft sein Plädoyer für Israel Shamir, fast so, als wäre er ein reuiger Sünder und Shamir niemals sein ehemaliger Götze. Zusammengetragen hat die komplette Geschichte Henryk M. Broder auf der Achse der Guten. Peeeee*

1 Kommentar 19.2.06 17:56, kommentieren

Chávez droht USA mit Ende der Öllieferungen

In einer Radio- und Fernsehansprache sagte der Linksnationalist Chávez, Venezuela würde seine Lieferungen an die USA unterbrechen, falls Washington weiterhin versuchen solle, die Regierung zu destabilisieren.

Aus Protest gegen die Versuche Washingtons, eine internationale Front gegen ihn aufzubauen, habe er bereits Maßnahmen unternommen, um andere Absatzmärkte für das venezolanische Erdöl zu suchen.

Erneut griff Chávez die Regierung von US-Präsident George W. Bush scharf an und kritisierte die hohen US-Militärausgaben, die benutzt würden, um in Länder wie Irak und Afghanistan einzumarschieren und Staaten wie Iran und Venezuela zu bedrohen.

US-Außenministerin Condoleezza Rice fördere einen Plan zur Destabilisierung Venezuelas, indem sie Streik provoziere, betonte der Präsident. Chávez kritisierte vor allem auch Kommentare von Rice über die Verbindungen zwischen Venezuela und Kuba.

Quelle.

1 Kommentar 19.2.06 15:00, kommentieren

Dutzende Tote bei Protesten gegen Mohammed-Karikaturen in Nigeria

Nairobi (dpa) - Die Proteste gegen die umstrittenen Mohammed- Karikaturen sind auch an diesem Wochenende weitergegangen. In Nigeria wurden nach Angaben von Augenzeugen bei Ausschreitungen mehrere Dutzend Menschen getötet. Einige Geschäfte im Besitz von Christen seien geplündert worden.

In Indonesien versuchten radikale Muslime, die US-Botschaft in Jakarta zu stürmen. Friedlich haben dagegen in Istanbul zehntausende Anhänger einer islamischen Partei gegen die Karikaturen protestiert.

Mehr dazu... Peeeeee*

2 Kommentare 19.2.06 14:58, kommentieren

Berliner Lektionen

Von Tobias Ebbrecht

Man könnte meinen, der andauernde Streit über die islamkritischen Mohammed-Karrikaturen wäre ein Publicity-Gag für die diesjährige Berlinale. Als hätte hätten die Organisatoren es geahnt, beschäftigen sich zahlreiche Filme in den verschiedenen Sektionen mit dem Thema „Islam und der Westen“.

Während der Wettbewerbsbeitrag „Road to Guantanamo“ und der außer Konkurrenz laufende „Syriana“ den Blick auf die „großen“ Krisenherde richten und Realitätseindruck mit effekthascherischer Überwältigung der Zuschauer vermengen, verweilen einige Filme in den „kleineren“ Sektionen in den Suburbs und Vorstädten europäischer Metropolen.

Die Tatsache, dass die Attentäter von London aus der Mitte der britischen Gesellschaft kamen, das Erschrecken über die gewalttätigen Bandenstrukturen und Aufstände in den Pariser Vorstädten und die steigende Akzeptanz religiöser Führer und islamistischer Gruppen unter muslimischen Jugendlichen scheinen Auslöser für eine Reihe von Filmen zu sein, die die vorgefertigten Raster der Berichterstattung verlassen und auch bereit sind, die falsch verstandene kritiklose und unhinterfragte Toleranz im Namen des Multikulturalismus gegen eine künstlerisch-kritische Auseinandersetzung einzutauschen, die sich dennoch bemüht, rassistische Stigmatisierungen oder Stereotype zu vermeiden. Filme wie „Hamburger Lektionen“, „Knallhart“ oder „1:1“ erzählen die Geschichten fehlender Integrationsmöglichkeiten und fehlender Integrationsbereitschaft.

Sie versuchen den Hintergründen und Strukturen des Hasses auf die Spur zu kommen, nicht immer mit Erfolg und mitunter eingezwängt durch die selbst gewählten Erzählstrukturen.

Aus den europäischen Vorstädten

Der deutsche Spielfilm „Knallhart“ von Detlef Buck erzählt die Geschichte eines jungen Deutschen, der nach dem Umzug vom gut-bürgerlichen Stadtteil Zehlendorf nach Neukölln unsanft in die brutale Realität von Banden, Erpressung, Kriminalität und Raub hineingezogen wird.

In harten und direkten Bildern zeigt Buck die Brutalität und Gewaltbereitschaft der Jugendlichen und die Netzwerke, die sie sich zu ihrem Schutz und zur Ausweitung ihrer eigenen Herrschaftssphäre bauen. Obwohl man Bucks Versuch, mit „Knallhart“ aus dem ihm zugeschriebenen Komödienfach zu entfliehen und sich ernsthafteren Themen zuzuwenden, honorieren muss, erinnert der Film doch streckenweise an die Ästhetik des sozialkritischen Fernsehspiels der 80er und 90er Jahre.

Vielleicht liegt darin einer der Gründe, dass Bucks Geschichte trotz ihrer Unmittelbarkeit seltsam oberflächlich bleibt. Dies liegt sicher nicht an den hervorragenden Jungschauspielern, sondern vielmehr an der stereotypen Anlage der Handlung, die sich trotz der Thematisierung von Bandenkriminalität und Jugendgewalt merkwürdig bedeckt hält, wenn es um die gesellschaftlichen und sozialen Katalysatoren dieser Phänomene geht.

Islamistische Tendenzen und steigende Attraktivität von Religion spielen in „Knallhart“ überhaupt keine Rolle. Im Gegenteil erscheint die Bindung an Familie, Tradition und Religion eines arabischen Drogendealers als beinahe positives Gegenstück zur verrohten und sinnlosen Straßengewalt und zu den zerrütteten deutschen Familien. Hier ist der dänische Spielfilm „1:1“ von Annette Olsen“ genauer.

In einer Hochhaussiedlung von Kopenhagen wird ein Jugendlicher zusammengeschlagen von einem Sicherheitsmann gefunden. Der Junge lebt mit seiner Mutter Søs und seiner Schwester Mie in einem der Hochhäuser. Søs, eine Sozialarbeiterin, hatte immer darauf bestanden, in diesem sozialen Brennpunkt wohnen zu bleiben, obwohl die meisten weißen Dänen die Gegend in den letzten Jahren verlassen hatten. Ihre Tochter Mie ist mit dem jungen Palästinenser Shadi zusammen, dessen Eltern aber von der Beziehung zu einer Dänin nichts wissen dürfen. Shadi verdächtigt seinen eigenen Bruder Tareq, Mies nun im Koma liegenden Bruder zusammengeschlagen zu haben.

Ausgehend von diesem Konflikt bemüht sich Olsen die komplexe Struktur von Selbstabgrenzung, Integrationsverweigerung, Ausgrenzung und Mißtrauen zu zeigen, ohne in Vereinfachungen abzugleiten. Shadi ist keinesfalls nur heldenhafter Freund, sondern verleugnet auch seine Beziehung, ordnet sich dem Diktat der Familie unter und steigert sich in einen gewalttätigen Wutausbruch gegen Mie hinein. Mie ist keinesfalls nur tolerant, sondern beginnt sich von Shadi abzugrenzen, als sie merkt, dass dessen Bruder in den Angriff auf ihren Bruder verwickelt sein könnte.

Der Boxlehrer Mo und sein integratives Boxprojekt stoßen an ihre Grenzen, als Mo beginnt, die Nachforschungen des Sicherheitsmannes Ole zu verhindern, um Tareqs Teilnahme an den Boxmeisterschaften nicht zu gefährden. Schließlich vermeidet Olsen auch eine irgendwie geartete Lösung. Der Konflikt kann auf individueller Ebene nicht gelöst werden. Er bleibt bestehen und das Ende offen. Doch auch hier werden politische und religiöse Kontexte weitgehend ausgespart und so vermeidet der Film auch allzu anstößige Kritik.

Hamburger Lektionen

Beim Thema Islamismus scheint das Kino in einer Starre zu verharren. Das Diktum multikultureller Toleranz verstellt oft den Zugang zu den widersprüchlichen Geschichten. Was nicht gedacht werden darf, soll nicht gezeigt werden.

Dadurch aber wird auch keine Auseinandersetzung mit der Realität möglich. Bei diesem Thema wird das Kino trotz aller politischer Selbstbekenntnisse, die auf der Berlinale überall zu hören sind, seiner Aufgabe, dem Publikum die realen gesellschaftlichen Konflikte in künstlerisch bearbeiteter Form zurückzuspiegeln und so ein eigenständiges Urteil zu ermöglichen, nicht gerecht.

Neue ästhetische Formen, die einen anderen Zugang ermöglichten, sind auf dem Festival kaum auszumachen.
Eine Ausnahme ist dabei Romuald Karmakars „Hamburger Lektionen“. Man kann nicht genau sagen, ob es sich bei dem beinahe zweieinhalb Stunden langen Film um eine Dokumentation oder einen Spielfilm handelt.

Karmakar läßt den Schauspieler Manfred Zapatka eine Predigt des Hamburger Imams Mohammed Fazazi vortragen. Zapatka spricht vor neutralem Hintergrund. Er trägt eine Lesebrille und einen Anzug. Nichts erinnert an einen Imam oder die Situation in einer Moschee. Auch im Ausdruck bemüht sich Zapatka nicht zu spielen oder andere Bilder im Kopf der Zuschauer heraufzubeschwören, als die, die aus dem Gesagten resultieren.

Karmakar hatte dieses Prinzip der Dramatisierung eines Dokuments bereits 2000 in seinem Film „Das Himmler Projekt“ eingesetzt. In diesem Film ließ er Zapatka die Geheimrede Himmlers vor den SS-Mannschaften in Posen vortragen, in der Himmler die historische Aufgabe der SS beschrieb, seine eigenen rassetheoretischen Gedanken über die „slawischen
Untermenschen“ entwickelte und auch auf die Vernichtung der Juden einging. Diese Rede wurde damals auf Wachsplatten aufgezeichnet. Auszüge daraus waren abgeschrieben und in mehreren Prozessen gegen NS-Täter verwendet worden. Doch die transkribierten Versionen waren immer bereinigte Abschriften.

Daher ließ Karmakar die Rede für seinen Film erneut transkribieren. Sämtliche Versprecher und logischen und rhetorischen Brüche wurden beibehalten. Auch im „Himmler-Projekt“ sollte Zapatka in neutraler Art vortragen und jede Dramatisierung und Inszenierung des Nazi-Täters vermeiden, um so die volle Aufmerksamkeit des Publikums auf das Gesagte, die Binnenstruktur des Denkens von Himmler zu lenken. Das Kinopublikum befand sich dadurch gleichzeitig auf der Position der zuhörenden SS-Mannschaften.

Predigt im Kinosaal

Nun stellt Karmakar in „Hamburger Lektionen“ wieder eine halböffentliche Rede nach. Die Reden Fazazis, die dieser während des Fastenmonats Ramadan im Januar 2000 in einer Hamburger Moschee hielt, wurden damals auszugsweise auf Video mit geschnitten und kursierten in islamischen und islamistischen Kreisen. Teile der transkribierten Rede wurden auch bei den Antiterrorprozessen in Hamburg eingesetzt. Bis heute sind die Bilder allerdings kaum öffentlich zugänglich.

Für „Hamburger Lektionen“ ließ Karmakar die Rede neu aus dem arabischen übersetzen und fügte Anmerkungen hinzu, um religiöse Zusammenhänge näher zu erklären. Zentral bei „Hamburger Lektionen“ ist die gewollte Distanz, die der Film zu den bekannten Bildern von islamischen Predigern und Islamisten herstellt.

Zu Beginn klärt ein Rolltitel über Fazazis Werdegang auf und stellt den Kontext der Reden, die an zwei aufeinanderfolgenden Tagen gehalten wurden, vor. Man sieht lediglich unkommentierte Außenaufnahmen der unscheinbaren Moschee im Hamburger Stadtteil St. Georg. Was zunächst als religiöse Belehrung erscheint, die durchaus Ähnlichkeiten zu Predigten katholischer oder evangelischer Geistlicher aufweisen, offenbart im weiteren Verlauf eine erschreckende Struktur. Immer wieder knüpft Fazazi an alltägliche Probleme der in Deutschland lebenden Muslime an und versucht die religiösen Ratschläge und Regeln auf diese Probleme zu beziehen. Ganz direkt wendet er sich Fragen zu, die aus dem Publikum gestellt werden.

Doch ausgehend von diesen Alltagsproblemen stellt er ein festgefügtes Regelwerk auf, das auf zwei Grundprinzipien basiert. Zunächst ist es Ausdruck der Verweigerung von Erneuerung und Modernisierung. Zum zweiten enthält es einen allumfassenden, bindenden und vollständig alle Fragen erklärenden Anspruch. Die an diesen Stellen der ansonsten scheinbar harmlosen ersten Rede deutlich werdenden dichotomen und autoritären Denkstrukturen verdichten sich dann in der zweiten Rede, in der der Imam einige der Fragen noch einmal genauer beleuchtet.

Diese Passage enthält deutliche Aufrufe zum heiligen Krieg gegen „die Ungläubigen“. In beinahe philosophischer Genauigkeit kategorisiert Fazazi „die Ungläubigen“ und arbeitet heraus, dass alle nichtislamischen Länder und alle dort lebenden Nichtmuslime Feinde oder feindlich gesinnte Krieger seien. Besonders auf die Intellektuellen, Journalisten und Politiker geht Fazazi ein, um herauszustellen, dass diese – wenn auch keine Krieger – so doch durch ihre Worte (und aktuell sollte man hinzufügen: auch durch ihre Bilder) zu den Feinden zählten. Was scheinbar harmlos mit der Frage beginnt, ob es erlaubt sei, Ungläubige zu bestehlen, mündet schließlich in der Anklage gegen den Westen und der Formulierung des Überlegenheitsanspruches des Islam.

Strukturen des Herren-Denkens

Ähnlich wie in Himmlers Geheimrede wird durch den Kontext des gesamten Dokuments die innere Logik dieses Wahns deutlich. Das penible und genaue Herausarbeiten der Definitionen und die freie Entwicklung des Herren-Denkens findet sich bei Fazazi ebenso wie bei Himmler. Beinahe noch erschreckender sind die Strukturen des Andeutens und des Einverständnisses, die beide Reden durchziehen. Viele seiner Urteile über „die Ungläubigen“ und den Westen macht Fazazi nicht explizit. Er enthält sich der letzten Bewertung und schiebt lediglich ein „Gott weiß es besser...“ nach. Doch in den Reaktionen der Gemeinde, dem Lachen, den Zurufen, den Machtdemonstrationen („Gott ist groß“), die als Texte eingeblendet werden, wird deutlich, dass sein Publikum Fazazis Worte durchaus richtig zu deuten in der Lage ist.

Erst am Ende des Films gibt Karmakar dem Publikum die Information, dass zu den regelmäßigen Besuchern von Fazazis Predigten auch die Hamburger Attentäter vom 11. September gehörten. Auch wenn man nicht sagen kann, ob diese bei den Reden am Ramadan 2000 anwesend waren, ist doch sicher, dass die Attentäter um Mohammed Atta engen geistlichen Kontakt zu Fazazi pflegten. Auch gilt Fazazi als einer der Anstifter zu den Anschlägen in Casablanca. Zurzeit sitzt er in Marokko eine Gefängnisstrafe ab, nachdem er aus Deutschland ausgewiesen wurde.

Regisseur Karmakar betont, dass die Reden als ein „Text aus Deutschland“ begriffen werden sollen: „Von jemandem, der in engem Kontakt stand zu Personen, die ein Verbrechen begangen haben, das meiner Ansicht nach auch in Deutschland, aus unserer Gesellschaft heraus, initiiert wurde. Der Film bietet die Möglichkeit, die Binnenlogik dieses Denkers und Predigers kennen zu lernen – mehr nicht.“

Die Urteile bleiben den Zuschauern selbst überlassen. Diese müssen sich auch mit eigenen autoritären Denkstrukturen auseinandersetzen und können sich nicht mehr an einfache Lösungen wie die Abschiebung von Hass-Predigern halten. So tritt die Gefahr des Appeasments, das beispielsweise die deutsche Gesellschaft gegenüber dem Islam und in seinem Namen geäußerten Allmachtsphantasien an den Tag legt, offen zu Tage. Dadurch erreicht Karmakar mehr für das kritische Verständnis der Logik und Denkweise des radikalen Islams und damit auch die Einschätzung der gegenwärtigen Situation, als die sozialkritischen Bearbeitungen von Alltagserfahrungen und ihre subjektivistische Vereinfachung oder künstlerische Verharmlosung. Vielmehr währe es nötig, Muslime, besonders Jugendliche und Frauen, bei der Flucht vor dieser autoritär und aggressiv strukturierten Denk- und Handlungslogik zu unterstützen.

Realitätsfiktion zwischen Roadmovie und Gefängnisfilm

Stattdessen ist aber der wohl weitaus publikumswirksamere Blick auf die Thematik der einer Realitätsfiktion. Im Wettbewerb präsentiert sich Michael Winterbottoms Dokudrama „Road to Guantanamo“ als wirklichkeitsgetreue Abbildung der Realität. Der Film handelt über eine Gruppe von jungen Briten pakistanischer Herkunft, die kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zur Hochzeit eines Freundes nach Pakistan fahren. Dort angekommen entschließen sie sich spontan nach Afghanistan zu reisen. Dort geraten sie mitten in die kriegerischen Auseinandersetzungen, werden gefangen genommen und für mehrere Jahre in das amerikanische Gefängnislager in Guantanamo auf Kuba verschleppt.

Als sie nach Afghanistan reisen, sind es nur noch wenige Tage bis zum Angriff der internationalen Allianz auf das von den Taliban kontrollierte und unterdrückte Land. Die Absurdität, die in dieser Idee liegt, fällt in „Road to Guantanamo“ jedoch nicht weiter auf. In eingeblendeten Interviewsequenzen erklären die jungen Männer, sie hätten „ihren Brüdern“ in Afghanistan helfen wollen.

Der Film, der die Erzählungen mit inszenierten Spielszenen und einmontierten Nachrichtensequenzen sowie Archivmaterial illustriert, suggeriert "„einfach ein großes Abenteuer“, bzw. eine „Selbstfindungsreise nach dem Schulabschluss“ wie Regisseur Winterbottom anmerkt.

Die Betonung des unpolitischen Charakters, die Diskrepanz zwischen Repressionsmaschinerie und naiver Unschuld ist das Leitmotiv von „Road to Guantanamo“. Darum zeigen die ersten Bilder der Films auch Aufnahmen von George W. Bush, der erklärt, bei den Gefangenen auf Kuba handele es sich ausnahmslos um böse und verbrecherische Gesellen.

Was wäre passiert, wenn statt Bush in den ersten Sekunden die Bilder von den einstürzenden Zwillingstürmen in New York zu sehen gewesen wären? Wäre dann auch alles einfach absurd?

„Road to Guantanamo“ wechselt vom Roadmovie zum Kriegsfilm bis zum Gefängnisdrama. Wir sehen die Jungen bei ihrer Reise nach Afghanistan, sehen sie dort gelangweilt und von Krankheiten geschüttelt während im Hintergrund die amerikanischen Bomben einschlagen. Wer Hans Christian Blumenbergs und Guido Knopps Dokudrama „Die letzte Schlacht“ über einfache Deutsche während der letzten Tage vor der Kapitulation Berlins gesehen hat, erinnert sich unwillkürlich an diese Ästhetik des „historischen Ereignisfernsehens“, die suggestive Mischung von dokumentarischem Filmmaterial mit Spielszenen, die Interviewsplitter vor neutralem Hintergrund, die dramatisierende und fiktionalisierende Musik, die Kombination von Authentisierungsstrategie und Subjektivierung von Geschichte.

Politisches Effekt-Kino

In diesen Trend zur Dokudramatisierung, zum Verschwinden jedes Unterschieds im Status der Bilder, paßt „Road to Guantanamo“ perfekt. Stolz berichtet der Produzent und Partner Winterbottoms Andrew Eaton, wie man Archivmaterial aus den Gefängnissen in Afghanistan und auf Kuba unter die Spielszenen gemischt habe: „ich glaube, man sieht den Unterschied zwischen dem Archivmaterial und unseren Szenen kaum.“

Winterbottom betont immer wieder, man erzähle die Geschichte wie sie tatsächlich gewesen sei. Gleichzeitig nehme man aber nur die Perspektive der drei Jugendlichen ein. Auch habe man sich nicht um weitere Recherche bemüht: „Wir erzählen ihre Geschichte in ihren Worten, und wir versuchen, ihre Version der Ereignisse wiederzugeben, in der gleichen Art, wie auch ein Anwalt ihre Version darstellen würde. Uns ging es
nicht um den Versuch, von einem unparteiischen Standpunkt aus das, was sie uns erzählten, zu überprüfen oder nachzuweisen.“

Zwischen dem hier formulierten Anspruch und der gewählten ästhetischen Umsetzung gibt es jedoch einen tiefen Widerspruch. Denn im Gegensatz zur behaupteten subjektiven Perspektive suggerieren die authetifizierenden Bilder Objektivität. Gleichzeitig zieht der Fiction-Charakter die Zuschauer in die Geschichte hinein. Die dramatisierende Musik und die Verwendung von bekannten Genremustern insbesondere aus dem Gefängnisdrama lenken die Zuschauer in eine eindeutige Richtung. Was also als objektiv, nüchtern und dokumentarisch behauptet und aufgefaßt wird, ist tatsächlich eine Realitätsfiktion. Dies soll nicht die schrecklichen Erfahrungen der Jugendlichen in den Gefängnissen in Afghanistan und Guantanamo verharmlosen. Kritisiert werden muß ihre ästhetische Umsetzung.

Denn der Film zielt in erster Linie auf den Effekt. Um die tatsächlichen Erfahrungen geht es nicht. Was in den Interviewsequenzen erzählt wird, sind bloße Stichworte, die meist durch die nachfolgenden Bilder verdoppelt werden. Die Bilder versuchen an keiner Stelle einen künstlerischen Ausdruck herzustellen, der eine subjektive Erfahrung ausdrückt oder emotional nachvollziehbar macht, sondern sie produzieren den Eindruck von Evidenz und Faktizität. Winterbottom behauptet:„Es geht um den Kontrast zwischen der chaotischen und vielschichtigen Realität und dem Leben und Empfinden realer Menschen einerseits und der Schwarzweiß-Darstellung von Bush und Blair andererseits.“ Aber für diesen Anspruch gibt es keine formale Entsprechung. In seinem Flüchtlingsdrama „In this World“, das den Goldenen Bären der Berlinale 2003 gewann, dominiert noch die beobachtende Kamera.

In „Road to Guantanamo“ ist alles für die Linse inszeniert. Selbst das Chaos ist ein visueller Effekt. Filme wie „The Thin Blue Line“ über einen in einer amerikanischen Todeszelle sitzenden Häftling, nehmen tatsächlich die Rolle eines Anwalts ein, indem sie rekonstruieren, Fragen stellen und künstlerische Ausdrucksformen, wie die abstrakte und stilisierte Rekonstruktion nutzen, um Mögliches und Denkbares zu visualisieren und so der Wahrheit näher zu kommen. All diese Filme verschleiern nicht die Fiktionalität, sondern machen sie vielmehr sichtbar. „Road to Guantanamo“ geht den umgekehrten Weg. Nach Winterbottom ist das Ziel des Films, „die Kluft zwischen diesem imaginären Bild der Leute in Guantanamo und den wirklichen Menschen hinter diesem Bild zu zeigen“. Dies ist mißlungen. Denn „Road to Guantanamo“ objektiviert einen Ausnahmefall ohne jede selbstreflexive Bewegung und ohne jede Form von Bruch oder Verfremdung, wie sie Karmakar in „Hamburger Lektionen“ herstellt. Damit wird der Film weder seinen Protagonisten und ihren traumatischen Erfahrungen gerecht, noch kann er das Phänomen Guantanamo erfassen. Erst recht begreift er nicht die Ideologie und Funktion des Islamismus und seine Bedrohung. Dies will dieser Film auch gar nicht. Im Gegenteil dient er dazu, die politischen Dimensionen zu derealisieren.

Dass diese Fiktionalisierung gleichzeitig von einer Authentifizierung begleitet wird, verweist auf die gegenwärtige in sich geschlossene Ästhetik des politischen Films. Sie trifft genauso auf die Dokumentarfiktionen eines Michael Moore zu wie auf Spielfilme wie „Paradise Now“ oder „Der Untergang“. Diese Filme dichten sich hermetisch gegen die Erfahrung ab, transformieren sie in einen künstlich generierten Effekt. Ein Film wie „Hamburger Lektionen“, der abstrahiert, eine Distanz aufbaut und die Macht der Bilder zurückdrängt und damit zu einer bewußten Wahrnehmung zwingt, wird kaum ein großes Publikum erreichen. „Road to Guantanamo“, der ähnliche Verfahren nutzt wie die deutschen historischen Dokudramen von Guido Knopp oder Heinrich Breloer, wird im März im britischen Fernsehen zu sehen sein.

Quelle.

1 Kommentar 17.2.06 17:30, kommentieren

What the hell...

In China hat die pseudosozialistische Zentralbürokratie neue Gesetze erlassen, um die so genannte 'nationale Sicherheit' aufrecht zu erhalten. Ab dem ersten März diesen Jahres dürfen sich Minderjährige nicht mehr in Internetcafes aufhalten, das Internet bedroht schließlich die Moral der chinesischen Jugend. Auch Karaoke-Bars und Discos dürfen vor Eintritt der Volljährigkeit nicht mehr betreten werden.

Aber nicht nur China dreht am Rad, auch auf dem fünften Kontinent kommt langsam Orwellsche Endzeitstimmung auf. So hat die Regierung Australiens als bislang weltweit einzige ein neues Videospiel verboten: Der Grund ist nicht die Brutalität im Spiel - sondern Graffiti.

Die gleiche australische Kommission, die u.a. GTA: Liberty City Stories freigab, hat im Fall des Spiels Marc Ecko's Getting Up: Contents Under Pressure diese verweigert, mit der wahnsinnigen Begründung, es könnte Jugendliche dazu bringen Graffiti zu sprühen. Diese Entscheidung bedeutet, dass das Spiel in Australien nun nicht verkauft, vermietet, vorgeführt oder importiert werden darf. Ein Totalverbot also...

Maureen Shelley, Mitglied der Verbotskommission, begründet ihre Entscheidung damit, dass das Spiel für "Verbrechen wirbt". Es fragt sich ernsthaft wieviele Computerspiele nach dieser Logik so alles auf dem Index landen müssten?

Zum Beispiel das Töten von Menschen ist ja weltweit als Verbrechen anerkannt, und trotzdem kann ich Nacht für Nacht in unzähligen Szenarien mittels meines Computers virtuell Menschen um die Ecke bringen...

In dem Spiel von Marc Ecko ist es das Ziel durch kunstvolle Wandmalereien in einer totalitären Science-Fiction-Welt zum Sprayer-König der Stadt aufzusteigen. Ein solches Szenario macht vielen Angst: So versuchte Michael Bloomberg, New Yorks Bürgermeister, im vergangenen Jahr eine Promotion-Veranstaltung für das Spiel zu verhindern. Bei der Veranstaltung sollten unter anderem Modelle von U-Bahn-Zügen von Graffiti-Künstlern dekoriert werden und Bloomberg war der Meinung, dies komme einem Aufruf zum Vandalismus gleich. Doch vor Gericht scheiterte er mit seinem Verbot kläglich.

Der Richter stellte damals fest, dass ein Verbot der Veranstaltung bedeutet hätte, dass "man mit der gleichen Begründung eine Straßenaufführung von Hamlet verbieten könnte, weil die ja Rachemorde inspirieren könnte, ganz zu schweigen von einer Straßenaufführung von König Ödipus."

In diesem Sinne: Ich suche derzeit Freiwillige für eine Aufführung von der amerikanischen Serie Band of Brothers an Originalschauplätzen. Freiwillige dieser Erde bitte meldet Euch, Peeeeee*

4 Kommentare 17.2.06 16:39, kommentieren

Nazi-Schmierereien auf Schulhof

Unbekannte haben in der vergangenen Nacht sämtliche Wände eines Schulhofs im Römerweg in Karlshorst mit Hakenkreuzen und Naziparolen besprüht. Der Hausmeister der Oberschule hatte die großflächigen Schmierereien gegen 6 Uhr 10 bemerkt und die Polizei alarmiert. Der Staatsschutz des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen aufgenommen. Der Hausmeister sorgte für die Entfernung der Schmierereien.

Quelle.

1 Kommentar 16.2.06 16:31, kommentieren